Pflege & Gesundheit
Islandpferd nach dem Reiten trocknen: Wie geht es im Winter am schnellsten?
Von Óra nordic equine · · 8 Min. Lesezeit
Am schnellsten trocknest du ein Islandpferd nach dem Reiten, wenn du es im Schritt zur Ruhe kommen lässt, das nasse Winterfell mit Handtuch oder Striegel aufraust und eine atmungsaktive Abschwitzdecke auflegst, die du tauschst, sobald sie durchfeuchtet ist. Wichtig ist das, weil nasses Fell seine Isolation verliert und das Pferd auskühlen kann.
Im Oktober wird es bei vielen Isländern sichtbar: Das Winterfell ist da, und nach einer Runde Tölt im Gelände dampft das Pferd, als käme es aus der Sauna. Das dichte Fell ist für die Rasse ein Segen, solange es trocken bleibt. Nach dem Reiten wird es zur Aufgabe, denn Schweiß sitzt tief in der Unterwolle und braucht lange, bis er verdunstet. Hier steht, warum sich das Trocknen lohnt, wie du es Schritt für Schritt angehst und woran du erkennst, dass dein Pferd wirklich trocken ist.
Warum ist es wichtig, ein Islandpferd nach dem Reiten zu trocknen?
Ein nass geschwitztes Pferd verliert seinen wichtigsten Kälteschutz, weil nasses Fell kaum noch isoliert. Das Winterfell wärmt, indem es eine ruhende Luftschicht nah an der Haut hält. Die Penn State Extension beschreibt, dass nasses oder verschmutztes Haar diese Luft verdrängt, dadurch an Isolationswert verliert und der Körper mehr Wärme abgibt.
Wie groß der Unterschied sein kann, zeigt ein Merkblatt der Rutgers University. Es stützt sich auf Studien an Rindern und geht davon aus, dass die Werte bei Pferden ähnlich sind: Mit vollem, trockenem Winterfell liegt die Grenze demnach bei etwa minus 8 °C, nass, geschoren oder im Sommerfell bei rund 15 °C. Ein verschwitzter Isländer an einem feuchten Novemberabend mit 5 °C ist also nicht mehr im Komfortbereich, obwohl er trocken mit dem Wetter gut zurechtkäme. Die Werte sind Richtwerte, die je nach Fettpolster, Felldichte, Gewöhnung an Kälte, Nässe und Wind von Pferd zu Pferd abweichen.
Die Veterinärmedizinische Universität Wien empfiehlt deshalb, ein Pferd nach dem Ausritt im Winter trocken zu reiten, eine Abschwitzdecke zu verwenden und nasse Decken zu tauschen oder abzunehmen, um einer Erkältung vorzubeugen. Dazu kommt die Haut: Legt man eine Outdoor- oder Nachtdecke auf ein feuchtes Pferd, kann das laut Purdue University die Abwehr der Haut schwächen und bakterielle und Pilzinfektionen begünstigen.
Warum schwitzen Islandpferde im Winterfell so stark?
Islandpferde schwitzen im Winter stark, weil ihr doppeltes Fell die Wärme, die bei der Arbeit entsteht, kaum nach außen lässt. Die Icelandic Horse Society of Great Britain beschreibt den Aufbau so: Eine dichte Unterwolle hält warme Luft an der Haut, ein langes, grobes Deckhaar schützt vor Wind, Schnee und Regen. Für einen Winter im Offenstall ist das ideal. Bei Bewegung staut sich die Wärme darunter.
Eine schwedische Studie hat das bei Temperaturen zwischen etwa minus 1 und minus 9 °C gemessen. Ungeschorene Pferde mit vollem Winterfell waren nach einem rund 50-minütigen Ausritt mit Schritt, Trab und Galopp sichtbar nass und zeigten Anzeichen von Überhitzung: Sie atmeten in der Spitze etwa 77-mal pro Minute, geschorene Pferde etwa 49-mal, und ihre Körpertemperatur stieg in der Erholungsphase an. Bei den geschorenen Pferden war hinterher keine Feuchtigkeit im Fell zu sehen. Die Studie umfasste nur drei Pferde, ein New-Forest-Pony, ein Gotlandpony und ein Reitpferd, aber kein Islandpferd. Sie ist also ein Hinweis, kein Beweis. Sie passt aber zu dem, was viele im Stall beobachten: Ein Isländer im vollen Winterfell kommt nach zügigem Tölt oder einer Passstrecke schneller ins Schwitzen als im Sommer.

Wie trocknest du ein Islandpferd nach dem Reiten am schnellsten?
Am schnellsten trocknet ein Islandpferd nach dem Reiten, wenn du Bewegung, Luft an der Haut und eine feuchtigkeitsleitende Decke kombinierst. Die folgende Reihenfolge stützt sich auf Empfehlungen des LSU AgCenter, der Penn State Extension, der Purdue University und der Vetmeduni Wien:
- Im Schritt ausreiten oder führen. Plane mindestens 10 bis 15 Minuten Schritt ein. Die Abkühlphase endet nicht nach der Uhr, sondern wenn die Atmung wieder ruhig ist. Bei kaltem Wind schützt eine leichte Abschwitzdecke den feuchten Rücken, eine dicke, wärmende Decke dagegen hält die Feuchtigkeit fest.
- Gurt lockern, Sattel erst danach abnehmen. So kühlt der Rücken langsamer ab, als wenn die warme, nasse Sattellage sofort der kalten Luft ausgesetzt wird.
- Nasses Fell aufrauen. Reibe die nassen Stellen mit einem Handtuch ab und raue das Fell mit Handtuch oder Gummistriegel gegen den Strich auf. Dadurch kommt Luft an die Unterwolle, und die Feuchtigkeit kann verdunsten.
- Abschwitzdecke auflegen. Eine Decke aus Fleece, Wolle oder einem anderen atmungsaktiven Material leitet die Feuchtigkeit vom Fell weg und hält das Pferd dabei warm. Stell dein Pferd an einen windgeschützten, aber gut belüfteten Platz.
- Heu und Wasser anbieten. Beim Verdauen von Heu entsteht Wärme, das hilft dem Pferd, während der Trockenphase nicht auszukühlen. Das Wasser sollte nicht eiskalt oder gar gefroren sein.
- Durchfeuchtete Decke tauschen. Ist die Abschwitzdecke selbst nass, nimm sie ab und leg eine trockene auf. Wer im Winter viel reitet, kommt mit zwei Abschwitzdecken entspannter durch den Stallalltag.
- Trocken? Dann Decke ab und Fell aufbürsten. Bürste die getrockneten Schweißstellen kurz auf, damit das Haar wieder locker steht und isolieren kann. Erst jetzt geht es zurück in den Offenstall oder, bei geschorenen Pferden, unter die Winterdecke.
Hat dein Stall ein Pferdesolarium, ist das laut Vetmeduni Wien eine Alternative zur Abschwitzdecke. In vielen Islandpferdeställen gibt es keins, und es geht auch ohne.
Ein Punkt verdient Aufmerksamkeit: In der schwedischen Studie blieb die Atemfrequenz der ungeschorenen Pferde, die in der Erholung im Stall eine Fleecedecke trugen, länger erhöht. Woran das lag, lässt die kleine Studie offen. Unabhängig davon empfiehlt das LSU AgCenter, so lange Schritt zu gehen, bis Atmung und Puls wieder in Ruhe sind. Erst dann kommt die Abschwitzdecke für die Trockenphase.
Welche Decke hilft beim Trocknen und welche nicht?
Beim Trocknen hilft nur eine atmungsaktive Abschwitz- oder Trockendecke, keine wärmende Winterdecke und keine Regendecke. Die Rutgers University warnt ausdrücklich davor, ein nasses Pferd einzudecken: Eine nasse Decke hält die Nässe am Körper, das Pferd wird kälter, und wenn sie nicht richtig trocknen kann, drohen Hautpilze. Auch die Purdue University rät, nie eine Outdoor- oder Nachtdecke auf ein feuchtes Pferd zu legen, weil das die Abwehr der Haut schwächen und Infektionen begünstigen kann. Erst wenn das Fell trocken ist, kommt bei Bedarf eine wärmere Decke darauf.
Für Abschwitzdecken sind vor allem zwei Materialien verbreitet. Fleece ist leicht, warm und leitet Feuchtigkeit nach außen, wo sie verdunstet. Mikrofaser-Frottee hat einen dichten, kurzen Flor und erinnert an ein großes Handtuch, das auf dem Pferd liegt. Bei Óra gibt es beide Varianten: die Óra Storm aus Mikrofaser-Frottee mit 800 g/m² ohne Halsteil und die Óra Midnight aus Fleece mit Halsteil. Welche besser passt, hängt davon ab, ob du den Hals mit eindecken möchtest.
Bei einer Decke ohne Halsteil bleibt der Hals frei. Unter der dichten Isländermähne trocknet er erfahrungsgemäß langsam, daher lohnt es sich, ihn mit dem Handtuch nachzuarbeiten.

Damit eine Abschwitzdecke ihre Arbeit tut, kommt es auch auf die Pflege an. Weichspüler solltest du dabei weglassen, er kann die Fasern beschichten und die Saugfähigkeit mindern. Wie du Fleece und Mikrofaser jeweils wäschst, steht in unseren Pflegehinweisen.
Woran erkennst du, dass dein Islandpferd wirklich trocken ist?
Trocken ist ein Islandpferd erst, wenn sich das Fell bis auf die Haut trocken anfühlt, nicht schon, wenn das Deckhaar trocken aussieht. Gerade beim dichten Winterfell täuscht der erste Eindruck: Die äußeren Haare sind längst trocken, während die Unterwolle noch feucht ist.
So prüfst du es im Stallalltag:
- Schieb die Hand gegen den Strich ins Fell, bis du die Haut spürst. Fühlt sie sich kühl und klamm an, ist das Fell noch feucht.
- Prüfe die Stellen, die am längsten brauchen: Sattellage, Gurtlage, Brust, den Hals unter der Mähne und die Innenseiten der Hinterbeine.
- Achte auf verklebte, strähnige Partien. Dort steht das Haar nicht und kann nicht isolieren, auch wenn es oberflächlich trocken wirkt.
- Achte auf dein Pferd: Atmet es ruhig, steht es entspannt und frisst? Oder steht es mit eingezogenem Schweif und zittert? Zittert es auch nach dem Trocknen weiter, frag deinen Tierarzt.
Wie lange das Trocknen dauert, hängt von Felldichte, Schweißmenge, Temperatur, Luftfeuchte und Wind ab. Eine verlässliche Zeitangabe gibt es dafür nicht. Rechne im Winter so, dass du nach dem Reiten noch Zeit im Stall hast.
Wie verhinderst du, dass dein Isländer im Winter stark durchschwitzt?
Am wenigsten Arbeit macht das Trocknen, wenn das Pferd gar nicht erst stark durchschwitzt. Ein paar Gewohnheiten helfen dabei:
- Lange aufwärmen. Die Vetmeduni Wien empfiehlt, vor schnellerer Arbeit mindestens 20 Minuten Schritt zu reiten. Ein gut aufgewärmtes Pferd ist locker, bevor das Tempo steigt.
- Intensität anpassen. Erfahrungsgemäß schwitzt ein Isländer im Winterfell bei kürzeren Tölt- und Trabstrecken mit Schrittpausen weniger durch als bei einer langen schnellen Strecke.
- Nierendecke bei Kälte. Eine Nierendecke unter dem Sattel verhindert laut Vetmeduni Wien, dass die Muskulatur auskühlt.
- Über eine Teilschur nachdenken. Wer im Winter regelmäßig so reitet, dass das Pferd stark schwitzt, kann eine Teilschur erwägen. Laut Rutgers University erleichtert eine Schur das Abkühlen nach der Arbeit, setzt aber passendes Eindecken voraus, egal ob Voll- oder Teilschur. Für einen Isländer im Offenstall ist das eine Entscheidung mit Folgen für den ganzen Winter, die gut überlegt sein will.
Beim Putzen gilt im Winter: gründlich, aber nicht übertrieben. Die Vetmeduni Wien weist darauf hin, die schützende Fettschicht nicht aus dem Fell zu bürsten, denn auch sie gehört zum Wetterschutz eines Robustpferds.
Wann solltest du bei einem nassen Pferd den Tierarzt fragen?
Den Tierarzt solltest du fragen, wenn dein Pferd nach dem Trocknen weiter zittert, sich nicht beruhigt oder sich anders verhält als sonst. Ein Warnzeichen ist auch, wenn sich die Atmung selbst nach langem Schritt nicht beruhigt. Ein Pferd, das stark pumpt und die Nüstern bläht, braucht laut Penn State Extension eine besonders lange Abkühlphase. Auch Hautveränderungen in der Sattel- oder Gurtlage oder unter einer Decke gehören angeschaut, denn die Vetmeduni Wien nennt bakterielle und Pilzerkrankungen der Haut ausdrücklich als Grund, unter Decken regelmäßig nachzusehen. Dieser Beitrag ersetzt keine tierärztliche Beratung. Bei älteren, sehr jungen oder geschwächten Pferden lohnt es sich, frühzeitig mit dem Tierarzt über Winterhaltung und Training zu sprechen.
Häufige Fragen
Darf eine Abschwitzdecke über Nacht auf dem Pferd bleiben?
Nein, eine Abschwitzdecke ist zum Trocknen gedacht und kommt ab, sobald das Fell trocken ist. Bleibt sie länger liegen, kann das Pferd darunter schwitzen oder bei Regen eine nasse Decke tragen. Die Rutgers University hält Schwitzen unter der Decke für genauso ungünstig wie ein eingedecktes nasses Pferd.
Hilft es, dem Pferd nach dem Reiten Heu zu geben?
Ja, Heu ist während der Trockenphase sinnvoll. Laut LSU AgCenter entsteht bei der Verdauung des faserreichen Raufutters Wärme, die das Auskühlen eines noch feuchten Pferdes erschwert. Auch die Purdue University schreibt, dass Heu über den Tag mehr Wärme erzeugt als Getreide.
Soll ich mein Islandpferd scheren, damit es schneller trocknet?
Eine Schur kann das Trocknen erleichtern, ist für die meisten Isländer aber nicht nötig. In der schwedischen Studie zeigten geschorene Pferde nach der Arbeit kein sichtbar nasses Fell. Im Gegenzug brauchen sie laut Rutgers University eine passende Decke, besonders im Offenstall. Ob sich eine Teilschur lohnt, hängt davon ab, wie oft und wie intensiv du im Winter reitest.
Wie oft sollte ich die Abschwitzdecke waschen?
Eine Abschwitzdecke muss nicht nach jedem Ritt in die Maschine. Erfahrungsgemäß reicht es meist, sie nach dem Einsatz zum Trocknen aufzuhängen, auszulüften und Haare regelmäßig zu entfernen. Gewaschen wird sie bei Bedarf und ohne Weichspüler, denn der kann die Fasern beschichten und die Saugfähigkeit mindern.
Passend zum Thema
Quellen
- Tipps fürs Tier: Pferde im Winter — Veterinärmedizinische Universität Wien, Universitätsklinik für Pferde
- To Blanket or Not to Blanket? (Fact Sheet FS1081) — Rutgers New Jersey Agricultural Experiment Station, 2024
- When to Blanket a Horse — Penn State Extension
- Equine Winter Cool-Down Methods (Pub. 3415) — LSU AgCenter, 2015
- Caring for Your Horse When it's Cold Outside — Purdue University College of Veterinary Medicine, 2018
- Winter Horseback Riding Tips — The Horse, Nachdruck der Penn State Extension, 2014
- Temperature regulation in horses during exercise and recovery in a cool environment — Wallsten, Olsson, Dahlborn – Acta Veterinaria Scandinavica 54:42, 2012
- Icelandic horses are perfectly adapted to the harsh winters of their homeland — Icelandic Horse Society of Great Britain, 2025