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Pflege & Gesundheit

Islandpferd scheren: ja oder nein? Teilschur, Vor- und Nachteile

Von Óra nordic equine · · 8 Min. Lesezeit

Ein Islandpferd scheren musst du in den meisten Fällen nicht: Das dichte Winterfell ist sein Kälteschutz, und ein Isländer im Offenstall mit genug Heu und Unterstand kommt damit gut durch den Winter. Eine Teilschur kann sinnvoll sein, wenn dein Pferd im Winter regelmäßig so gearbeitet wird, dass es stark schwitzt. Wer schert, muss danach eindecken, meist bis ins Frühjahr.

Ungeschorener Isländer, ein Dunkelfuchs mit heller Mähne, steht im dichten Winterfell auf einer Weide mit Raureif
Bild: KI-generiert

Im Oktober ist das Winterfell bei vielen Isländern schon dicht, und spätestens nach dem ersten zügigen Ausritt dampft das Pferd. Dann taucht in vielen Ställen die Frage auf, ob eine Schur das Leben leichter machen würde. Die ehrliche Antwort: Für die meisten Islandpferde nicht. Für einige schon. Hier steht, woran du den Unterschied erkennst, welche Schurarten es gibt und was nach der Schur auf dich zukommt.

Muss man ein Islandpferd im Winter scheren?

Nein, die meisten Islandpferde müssen nicht geschoren werden. Ihr doppeltes Fell ist genau für den Winter gemacht: Die Icelandic Horse Society of Great Britain beschreibt eine dichte Unterwolle, die warme Luft an der Haut hält, und ein langes, grobes Deckhaar, das vor Wind, Schnee und Regen schützt. In einer Abschlussarbeit (Veterinärmedizin) an der Schwedischen Agraruniversität SLU war das Winterfell am Hals von sechs Isländern im Mittel 3,6 Zentimeter lang.

Die Veterinärmedizinische Universität Wien nennt vier Bedingungen, unter denen Pferde den Winter draußen verbringen können: Sie sind stoffwechselgesund, bekommen genug Kalorien, entwickeln ein gutes Winterhaarkleid und haben angemessenen Schutz. Für ungeschorene Pferde gibt die Vetmeduni einem Unterstand den Vorzug vor der Decke, weil sich das Pferd so an wechselndes Wetter anpassen kann.

Auch in Skandinavien wird der Isländer seltener eingedeckt als das Warmblut. In einer Umfrage unter mehr als 6.000 Pferdeleuten in Schweden und Norwegen deckten Besitzerinnen von Islandpferden und Kaltblut-Reitpferden seltener ein als Warmblutbesitzerinnen, von denen fast alle eindeckten. Geschoren haben vor allem Halterinnen von Warmblütern und von Pferden in Dressur und Turniersport.

Wann kann eine Teilschur beim Islandpferd sinnvoll sein?

Eine Teilschur kann sinnvoll sein, wenn dein Isländer im Winter regelmäßig so gearbeitet wird, dass er stark schwitzt und das Trocknen jedes Mal zur Geduldsprobe wird. Die Rutgers University empfiehlt Pferden, die im Winter regelmäßig bis zum Schwitzen gearbeitet werden, mindestens eine Teilschur entlang der Unterseite von Hals und Bauch. Die Entscheidung hängt aber immer vom einzelnen Pferd, seiner Haltung und deinem Winteralltag ab.

Diese Fragen helfen bei der Einschätzung:

  • Wie viel und wie zügig reitest du im Winter? Wer mehrmals pro Woche ausgiebig töltet oder im Gelände längere Trab- und Galoppstrecken reitet, hat ein anderes Problem als jemand, der zweimal pro Woche entspannt ausreitet.
  • Bereitest du dich auf Turniere oder Lehrgänge vor? Training mit höherem Tempo und Passstrecken über den Winter lässt den Isländer im vollen Fell schnell nass werden.
  • Wie lebt dein Pferd? Ein Isländer im Offenstall ohne Decke verliert mit der Schur ein Stück seines Kälteschutzes. Mit Teilschur braucht er eine Decke, sobald es kalt, nass oder windig wird.
  • Bekommst du das Pferd trocken? Wenn ein ungeschorener Isländer nach dem Reiten mit Schrittphase, Abreiben und Abschwitzdecke zuverlässig trocken wird, gibt es oft keinen Grund für eine Schur.
  • Ist das Fell ungewöhnlich? Ein Senior mit auffällig langem, zotteligem Fell, das im Frühjahr kaum ausfällt, gehört zuerst zum Tierarzt, mehr dazu im letzten Abschnitt.

Ehrlich bleibt: Wer viel reitet, kann auch Training und Trocknen anpassen, statt zu scheren. Wie du einen ungeschorenen Isländer nach dem Reiten trocken bekommst, steht im Beitrag Islandpferd nach dem Reiten trocknen.

Was sagt die Forschung zum Scheren von Islandpferden?

Die wenigen Studien deuten darauf hin, dass geschorene Pferde nach der Arbeit ihre Wärme leichter loswerden. In einer Abschlussarbeit (Veterinärmedizin) an der SLU von 2014 liefen sechs Islandpferde in Jämtland um den Monatswechsel Oktober/November 2013 in der Reithalle ein standardisiertes Programm von rund 40 Minuten, einmal im vollen Winterfell und einmal halb geschoren. Die halb geschorenen Pferde atmeten 20 und 30 Minuten nach der stärksten Belastung deutlich langsamer. Bei der Körpertemperatur im Rektum fand die Arbeit keinen Unterschied. Wie groß die geschorene Fläche genau war, beschreibt die Arbeit nicht. Auf eine reine Halsschur lässt sich das Ergebnis nicht direkt übertragen.

Die Autorin schließt daraus, dass die Fellmenge die Wärmeregulation stärker beeinflusst als eine Decke nach dem Training. Sie weist aber selbst darauf hin, dass sechs Pferde zu wenige sind, um kleine Unterschiede sicher zu erkennen.

Eine zweite schwedische Studie aus Acta Veterinaria Scandinavica (2012) kommt zu einem ähnlichen Bild, allerdings ohne Islandpferd: Bei Außentemperaturen bis etwa minus 9 °C lag die Atemfrequenz der ungeschorenen Pferde rund um die Belastung im Mittel bei bis zu 77 Atemzügen pro Minute, die der geschorenen bei 49, bei großer Streuung. Gearbeitet wurde auf einer verschneiten Strecke. Die ungeschorenen kamen sichtbar nass zurück, die geschorenen nicht. Untersucht wurden nur drei Pferde: ein New-Forest-Pony, ein Gotlandpony und ein Warmblut-Mix. Beide Arbeiten sind deshalb Hinweise, kein Beweis.

Welche Schurarten gibt es für Islandpferde?

Für Islandpferde kommen vor allem leichte Teilschuren infrage, bei denen nur die Stellen geschoren werden, an denen das Pferd am meisten schwitzt. Die Bezeichnungen sind nicht einheitlich, auch nicht in der Fachliteratur. Die folgende Übersicht folgt der Fachzeitschrift EQUUS und reicht von wenig bis viel:

  • Halsschur (Pony-Clip): Geschoren werden nur Unterhals und Brust, wo das Pferd am stärksten schwitzt. Laut EQUUS reicht das manchmal schon, und mehr scheren kannst du später immer noch.
  • Streifenschur (Trace-Clip): Unterhals und Bauch werden geschoren, je nach Variante tief oder höher an der Flanke hinauf. Kopf, Oberseite von Hals und Rücken sowie die Beine behalten ihr Fell.
  • Deckenschur: Hals und Flanken sind geschoren, eine deckenförmige Fläche über Rücken und Hinterhand sowie die Beine bleiben stehen.
  • Jagdschur (Hunter-Clip): Fast der ganze Körper ist geschoren, nur Beine und Sattellage behalten ihr Fell.
  • Vollschur: Das ganze Fell kommt ab. Für einen Isländer, der im Freizeitbetrieb lebt, passt das selten.

Je mehr Fell abkommt, desto mehr Pflege und Schutz braucht das Pferd danach. Für die meisten Isländer, bei denen sich überhaupt die Frage stellt, kann eine Hals- oder flache Streifenschur ein vorsichtiger Einstieg sein.

Welche Vor- und Nachteile hat das Scheren beim Islandpferd?

Der größte Vorteil einer Schur ist, dass das Pferd bei der Arbeit weniger schwitzt und schneller trocken wird. Der größte Nachteil ist, dass es für den Rest des Winters Schutz braucht, den es vorher selbst mitgebracht hat. Die Rutgers University fasst es so zusammen: Eine Schur kann helfen, ein Pferd nach dem Training abzukühlen und ein Auskühlen durch nasses Fell zu verhindern, setzt aber richtiges Eindecken voraus.

Vorteile

  • Weniger Schweiß an den geschorenen Stellen und eine kürzere Phase, bis das Pferd nach der Arbeit trocken ist.
  • Ruhigere Atmung nach der Belastung, wie in den beiden schwedischen Studien beobachtet.
  • Kürzere Wartezeit, bis das Pferd nach dem Reiten wieder trocken in den Auslauf kann.

Nachteile

  • Das Fell wächst im Winter laut Rutgers nur langsam nach. Ein geschorenes Pferd braucht deshalb bis ins zeitige Frühjahr passenden Unterstand und passende Decken.
  • Wer mit dem Eindecken anfängt, muss meist die ganze Saison dabeibleiben, weil eine ständig getragene Decke das Fell flach drückt und seine Isolation mindert.
  • Decken müssen passen und regelmäßig abgenommen werden, sonst entstehen Scheuerstellen, besonders am Widerrist, und Hautprobleme bleiben unentdeckt.
  • Ein vollständig geschorenes Pferd, also einschließlich Kopf und Ohren, muss laut Vetmeduni bei extremer Kälte in den Stall, weil Erfrierungen auftreten können.

Was braucht ein Islandpferd nach der Schur?

Ein geschorenes Islandpferd braucht ab dem Tag der Schur eine passende Decke griffbereit, einen Unterstand und eine tägliche Kontrolle. Die Vetmeduni Wien schreibt dazu, dass geschorene Pferde, die den Winter draußen verbringen, eingedeckt und bei Temperaturschwankungen umgedeckt werden müssen. So sieht das im Stallalltag aus:

  1. Eindecken nach Wetter, nicht nach Kalender. Leg die Decke auf, wenn es kalt, nass oder windig wird, besonders für den Auslauf. Kontrolliere kurz danach: Schwitzt das Pferd darunter, ist die Decke zu warm. Zittert es, ist sie zu dünn.
  2. Umdecken, wenn das Wetter umschlägt. Ein milder Novembertag und eine frostige Nacht brauchen unterschiedliche Decken. Plane mindestens zwei Stärken ein.
  3. Nie ein nasses Pferd eindecken. Nach dem Reiten kommt erst eine Abschwitzdecke aus Fleece oder Wolle auf das Pferd, bis das Fell trocken ist. Die wärmere Decke folgt erst danach.
  4. Decke täglich abnehmen. Die Rutgers University rät, die Decke mindestens einmal täglich abzunehmen und auf Schweiß und Scheuerstellen zu prüfen. Achte auf Widerrist, Schulter und Brust, beim Isländer auch unter der dichten Mähne.
  5. Unterstand sicherstellen. Eine Decke ersetzt keinen Schutz vor Wind und Regen. Ein geschorener Isländer im Offenstall muss den Unterstand auch wirklich nutzen können, ohne von ranghöheren Herdenmitgliedern vertrieben zu werden.
  6. Beim Reiten an die Nierenpartie denken. Für vollständig geschorene Pferde empfiehlt die Rutgers University bei großer Kälte eine Nierendecke beim Aufwärmen und Abkühlen, aber nicht über die ganze Reitzeit.
Heller Isländer-Fuchs trägt die Óra Midnight in Navyblau, eine Fleece-Abschwitzdecke mit Halsteil bis zum Genick
Bild: KI-generiert

Welche Decke wann passt und woran du erkennst, dass dein Pferd friert, steht ausführlich im Beitrag Braucht ein Islandpferd im Winter eine Decke?. Für die Trockenphase nach dem Reiten eignet sich eine Abschwitzdecke mit Halsteil, etwa die Óra Midnight aus Fleece, gerade wenn der Unterhals geschoren ist.

Wann solltest du wegen des Fells mit dem Tierarzt sprechen?

Sprich mit deiner Tierärztin, wenn dein Isländer ein ungewöhnlich langes, zotteliges Fell bekommt oder im Frühjahr kaum noch Fell verliert. Laut University of Kentucky ist dieses Fell das auffälligste Zeichen von PPID, dem Equinen Cushing-Syndrom, das meist Pferde über 15 Jahre betrifft. Weitere Hinweise sind vermehrtes Trinken und Urinieren sowie Muskelabbau. Die meisten Pferde mit PPID lassen sich laut Kentucky allerdings nicht allein am Aussehen erkennen. Oft zeigen sie nur stellenweise längeres Fell, etwa am Kiefer oder an den Unterbeinen. Deshalb empfiehlt die Universität ab 15 Jahren einen jährlichen Test beim Tierarzt, bei Anzeichen auch früher.

Die Schur ist bei PPID ein Hilfsmittel für das Fell, keine Behandlung der Erkrankung. Die Diagnose stellt die Tierärztin über eine Blutuntersuchung, und auch über die Therapie entscheidet sie. Dieser Beitrag ersetzt keine tierärztliche Beratung.

Die University of Kentucky nennt die Schur bei PPID vor allem für die Zeit nach den kalten Monaten. Sie kann dann Pferden helfen, die ihr Fell nicht abwerfen und im Sommer ihre Körpertemperatur schlecht halten. In der kalten Jahreszeit brauchen diese Pferde dagegen Unterstand und, wenn nötig, eine passende Decke.

Häufige Fragen

Darf ein Islandpferd mit Teilschur im Offenstall bleiben?

Ja, wenn es eingedeckt wird, sobald das Wetter es verlangt, und einen Unterstand nutzen kann. Die Vetmeduni Wien schreibt, dass geschorene Pferde, die den Winter draußen verbringen, eingedeckt und bei Temperaturschwankungen umgedeckt werden müssen. Vollständig geschorene Pferde gehören bei extremer Kälte in den Stall.

Braucht ein geschorenes Pferd mehr Futter?

Möglicherweise. Laut Rutgers University können vollständig geschorene Pferde mehr Energie brauchen, weil sie mehr Wärme verlieren. Muss ein Pferd in der Kälte zusätzlich Energie aufwenden, um warm zu bleiben, empfiehlt Rutgers, mehr Heu zu füttern, nicht mehr Kraftfutter. Das passt zum leichtfuttrigen Isländer ohnehin. Behalte trotzdem die Figur im Blick, denn nicht jeder Isländer mit Teilschur braucht mehr.

Wie schnell wächst das Fell nach einer Schur im Winter nach?

Im Winter wächst das Fell laut Rutgers University nur langsam nach. Rechne deshalb damit, dass ein im Herbst geschorener Isländer bis ins zeitige Frühjahr Decke und Unterstand braucht. Eine genaue Zeitangabe gibt es nicht, weil das von Pferd, Schurart und Wetter abhängt.

Sollte man einen Isländer mit Cushing im Winter scheren?

Das entscheidest du am besten gemeinsam mit deiner Tierärztin. Die University of Kentucky nennt die Schur bei PPID vor allem nach den kalten Monaten als große Hilfe, wenn das Pferd sein langes Fell nicht abwirft und im Sommer zu warm hat. Im Winter brauchen Pferde mit PPID vor allem Schutz vor Regen und Schnee und bei Bedarf eine passende Decke.

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Quellen

  1. Påverkar klippning och täckning det fysiologiska svaret på arbete och återhämtning hos islandshästar? (Examensarbete 2014:71) — Karin Jacobsson, Sveriges lantbruksuniversitet (SLU), Uppsala 2014
  2. Temperature regulation in horses during exercise and recovery in a cool environment — Wallsten, Olsson, Dahlborn – Acta Veterinaria Scandinavica 54:42, 2012
  3. Management of horses with focus on blanketing and clipping practices reported by members of the Swedish and Norwegian equestrian community — Hartmann, Bøe, Jørgensen, Mejdell, Dahlborn – Journal of Animal Science 95(3), 2017
  4. Tipps fürs Tier: Pferde im Winter — Veterinärmedizinische Universität Wien, Universitätsklinik für Pferde
  5. To Blanket or Not to Blanket? (Fact Sheet FS1081) — Rutgers New Jersey Agricultural Experiment Station, 2024
  6. Winter Care for Horses (Fact Sheet FS1142) — Rutgers Equine Science Center, Ralston und Williams, 2011
  7. Equine Cushing's Disease or PPID (ID-252) — University of Kentucky Cooperative Extension, 2018
  8. Types of Clips for Horses — EQUUS Magazine, 2019
  9. Icelandic horses are perfectly adapted to the harsh winters of their homeland — Icelandic Horse Society of Great Britain, 2025

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