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Haltung & Stall

Braucht ein Islandpferd im Winter eine Decke? Winterfell verstehen und erkennen, wann es friert

Von Óra nordic equine · · 9 Min. Lesezeit

Ein gesundes, ungeschorenes Islandpferd mit gutem Winterfell, genug Heu und einem Unterstand braucht im Winter meist keine Decke. Sinnvoll wird eine Winterdecke, wenn der Isländer geschoren, alt, krank oder zu dünn ist, keinen Witterungsschutz hat oder lange Nässe und Wind aushalten muss. Ob dein Pferd friert, zeigt es dir selbst, vor allem durch Zittern.

Falbfarbener Isländer ohne Decke steht im dichten Winterfell auf einer verschneiten Weide, Schnee liegt auf Rücken und Mähne
Bild: KI-generiert

Im Oktober sieht man es jeden Tag deutlicher: Der Isländer wird plüschig, die Mähne wirkt noch dichter, die Konturen verschwinden im Winterfell. Und irgendwann steht die Frage im Raum, ob er für den Winter eine Decke braucht. Die ehrliche Antwort ist für die meisten Isländer: nein. Es gibt aber Situationen, in denen sie richtig ist. Hier steht, wie das Winterfell funktioniert, wann es nicht reicht und woran du erkennst, dass dein Pferd friert.

Braucht ein Islandpferd im Winter eine Decke?

Ein gesundes, ungeschorenes Islandpferd braucht im Winter in der Regel keine Decke, wenn es genug Heu, Wasser und einen Unterstand hat. Die Veterinärmedizinische Universität Wien nennt vier Voraussetzungen dafür, dass Pferde den Winter draußen verbringen können: Sie sind metabolisch gesund, bekommen genug Kalorien, entwickeln ein gutes Winterhaarkleid und haben angemessenen Schutz.

Für ungeschorene Pferde gibt die Vetmeduni Wien dem Unterstand ausdrücklich den Vorzug vor der Decke. Wasserdichte, atmungsaktive Decken können zwar vor Wind und Regen schützen. Ein Unterstand lässt dem Pferd aber die Wahl, und so kann es sich an schnell wechselndes Wetter selbst anpassen.

Eine große Befragung aus Skandinavien passt dazu. Unter 4.122 schwedischen und 2.075 norwegischen Pferdeleuten deckten Besitzerinnen von Islandpferden und Kaltblut-Reitpferden signifikant seltener ein als Warmblut-Besitzerinnen, von denen fast alle ihre Pferde draußen eindeckten.

Wie schützt das Winterfell ein Islandpferd vor Kälte?

Das Winterfell schützt den Isländer, indem es eine ruhende Luftschicht an der Haut festhält. Die Icelandic Horse Society of Great Britain beschreibt den doppelten Aufbau: Die dichte Unterwolle hält warme Luft nah am Körper, das lange, grobe Deckhaar schirmt Wind, Schnee und Regen ab.

Die Penn State Extension nennt das Haarkleid die erste Verteidigungslinie gegen Kälte. Die zweite ist die Fettschicht unter der Haut. Ein gut genährter Isländer im vollen Winterfell ist damit doppelt geschützt. Auch im Fell selbst sitzt eine schützende Fettschicht. Die Vetmeduni Wien rät, sie beim Putzen im Winter nicht aus dem Fell zu bürsten.

Nahaufnahme vom Rücken eines braunen Islandpferds: Schnee bleibt auf dem langen, dichten Winterfell liegen, ohne zu schmelzen
Bild: KI-generiert

Wie gut das funktioniert, sieht man nach einem Schneefall. Laut University of Maine Cooperative Extension bleibt der Schnee bei einem gut behaarten Pferd auf Hals und Rücken liegen, weil das Fell die Körperwärme innen hält. Schnee auf dem Rücken ist also kein Grund zur Sorge, sondern ein Zeichen, dass die Isolation arbeitet.

Eine Decke greift in dieses System ein. Die Rutgers University weist darauf hin, dass dauerhaft getragene Decken das Fell flach drücken können, sodass es an Isolationswirkung verliert. Wer einmal mit dem Eindecken anfängt, muss deshalb meist die ganze Saison dabeibleiben.

Was setzt einem Islandpferd im Winter mehr zu: Kälte oder Nässe?

Nässe ist für ein Pferd im Winterfell belastender als trockene Kälte. Nasses Haar kann laut Penn State Extension keine Luft mehr halten und verliert seinen Isolationswert. Schon etwa 2,5 Millimeter Regen können demnach Kältestress auslösen.

Das norwegische Forschungsinstitut NIBIO hat 22 Pferde frei wählen lassen, ob sie draußen bleiben, einen beheizten oder einen unbeheizten Unterstand aufsuchen. An kalten, trockenen Tagen blieben sie in 70 Prozent der Beobachtungen draußen. Bei Minusgraden mit Niederschlag gingen sie in den warmen Unterstand. Gezittert haben die Pferde nur bei Plusgraden und Regen.

Wie groß der Unterschied sein kann, zeigt ein Merkblatt der Rutgers University. Die Werte stammen aus Studien an Rindern, nicht an Pferden. Rutgers geht davon aus, dass sie bei Pferden ähnlich liegen. Mit trockenem, vollem Winterfell liegt die niedrigste Temperatur, bei der sich das Tier noch wohlfühlt, demnach bei etwa minus 8 °C. Mit nassem Fell, geschoren oder im Sommerfell liegt sie bei rund 15 °C. Fettpolster, Felldichte, Gewöhnung, Wind und Nässe verschieben diese Grenze von Tier zu Tier.

Für deinen Isländer heißt das: Ein klarer Frosttag mit minus 10 °C ist meist weniger kritisch als ein windiger Novembertag mit 3 °C und Dauerregen. Auch tauender Schnee macht laut Rutgers das Fell nass. Ein Unterstand, in dem es trocken und windgeschützt ist, ist an solchen Tagen viel wert.

Wann braucht ein Islandpferd doch eine Winterdecke?

Ein Islandpferd braucht eine Winterdecke, wenn sein eigener Kälteschutz nicht ausreicht oder fehlt. Die Penn State Extension, die Rutgers University, die University of Maine und die Vetmeduni Wien nennen unter anderem diese Situationen:

  • Geschoren. Wer das Winterfell abnimmt, nimmt die Isolation mit. Laut Vetmeduni Wien müssen geschorene Pferde, die den ganzen Winter draußen sind, eingedeckt und bei wechselnden Temperaturen umgedeckt werden. Mehr zur Frage, ob sich eine Schur beim Isländer lohnt, steht in Islandpferd scheren.
  • Sehr alt oder sehr jung. Penn State nennt sehr junge und sehr alte Pferde, Maine hebt alte Pferde und schlechte Futterverwerter hervor, weil ihnen oft die Reserven fehlen.
  • Zu dünn. Fehlt das Fettpolster, fehlt die zweite Isolationsschicht. Penn State nennt einen niedrigen Body Condition Score ausdrücklich als Grund zum Eindecken. Umgekehrt braucht ein gut gepolsterter Isländer eine Decke laut Rutgers eher später.
  • Krank oder geschwächt. Ein gesundheitlich angeschlagenes Pferd gehört laut Penn State zu den Kandidaten für eine Decke. Sprich hier mit deinem Tierarzt.
  • Kein Unterstand. Ohne Schutz wird es laut Penn State kritisch, wenn die Temperatur oder die gefühlte Kälte unter etwa minus 15 °C fällt.
  • Gefahr, durchnässt zu werden. Penn State nennt Regen, Eis und gefrierenden Regen als eigenen Grund zum Eindecken. Schnee ist demnach meist weniger problematisch.
  • Nicht an Kälte gewöhnt. Ein Pferd aus einem wärmeren Klima braucht laut University of Maine ein bis zwei Winter, bis es sich vollständig angepasst hat.

Für Isländer im Offenstall ist die häufigste Situation in der Praxis eine Kombination: ein älteres Pferd, das im Herbst Gewicht verliert, oder ein tagelanger Wechsel aus Regen, Wind und Temperaturen knapp über null. Dann kann eine Regendecke oder eine leichte Winterdecke für diese Tage sinnvoll sein, auch wenn das Pferd den Rest des Winters ohne auskommt.

Woran erkennst du, dass dein Islandpferd friert?

Das deutlichste Zeichen, dass ein Pferd friert, ist Zittern. Die Rutgers University rät dann, mehr Wärme zu geben. Ein trockenes Fell ohne Zittern spricht dagegen dafür, dass es dem Pferd gut geht, auch wenn Tasthaare gefroren sind oder Eisklümpchen am Kötenbehang hängen.

Weitere Zeichen, auf die du achten kannst:

  • Eine angespannte Körperhaltung mit eingeklemmtem Schweif. Die UConn Extension nennt beides als Ausdruck von Unbehagen bei Kälte.
  • Das Pferd verlässt den Unterstand nicht mehr. Die University of Maine führt das neben dem Zittern als Verhaltenszeichen auf.
  • Nasses Fell bis auf die Haut nach Regen oder Schneeregen, besonders in Kombination mit Wind.
  • Gewichtsverlust über die Wochen. Er schwächt das Fettpolster und ist unter dem dichten Winterfell leicht zu übersehen.

So prüfst du an einem kalten Morgen, wie es deinem Isländer geht:

  1. Erst schauen. Steht das Pferd entspannt, frisst es, bewegt es sich mit der Herde? Oder steht es abseits, mit eingezogenem Schweif und gesenktem Kopf?
  2. Fell anfassen. Schieb die Hand am Widerrist oder hinter dem Ellbogen gegen den Strich ins Fell. Ist es innen trocken und warm, arbeitet die Isolation, auch wenn außen Raureif liegt.
  3. Auf Zittern achten. Ein Zittern, das nicht nach kurzer Zeit aufhört, ist ein klares Signal.
  4. Rippen fühlen. Taste regelmäßig nach den Rippen und am Mähnenkamm. Das Auge täuscht im Winterfell, die Hand nicht.
  5. Das Wetter der nächsten Tage einbeziehen. Dauerregen bei Plusgraden und Wind sind kritischer als ein angekündigter klarer Frost.

Die Schritte 2, 4 und 5 sind Erfahrungswerte aus dem Stallalltag. Sie ersetzen nicht den Blick deines Tierarztes, helfen dir aber, dein eigenes Pferd über den Winter einzuschätzen.

Was hilft einem Isländer im Winter mehr als eine Decke?

Einem Isländer helfen im Winter vor allem Heu, Wasser und ein trockener Unterstand. Die Rutgers University schreibt, dass Pferde in einem Unterstand bis zu 20 Prozent mehr Körperwärme halten als ganz ohne Schutz. Die Vetmeduni Wien empfiehlt einen dreiseitig geschlossenen Unterstand mit weicher, trockener Liegefläche.

Drei Islandpferde ohne Decke fressen nebeneinander Heu aus einer langen Raufe im Schnee vor einem dreiseitigen Holzunterstand
Bild: KI-generiert

Heu ist das zweite Werkzeug. Bei der Verdauung von Heu im Dickdarm entsteht Wärme. Rutgers rät deshalb, bei einem Kälteeinbruch mehr Heu zu geben, nicht mehr Kraftfutter. Laut Rutgers steigt der Energiebedarf um etwa 1 % je Grad Fahrenheit unter der kritischen Temperatur, das sind knapp 2 % je Grad Celsius.

Islandpferde gelten als leichtfuttrig. In einem schwedischen Versuch nahmen sechs Isländer mit denselben Heulagen zu, während sechs Traber abnahmen. In Dänemark war knapp ein Viertel von 252 untersuchten erwachsenen Isländern adipös. Mehr Heu bei Kälte ist also kein Freibrief: Ist dein Isländer schon zu dick, sprich mit deinem Tierarzt, bevor du im Winter die Ration erhöhst.

Wasser gehört dazu. Laut Vetmeduni Wien ist Schnee kein Ersatz für Tränkewasser, und Pferde nehmen im Winter bis zu 40 Prozent mehr Wasser auf, wenn es angewärmt ist. Wie du Wasser, Heu und Unterstand im Offenstall durch den Winter organisierst, steht in Islandpferd im Offenstall durch den Winter.

Ein Punkt betrifft die Herde. In einer Befragung äußerten Pferdebesitzerinnen laut NIBIO die Sorge, dass Decken das gegenseitige Fellkraulen stören könnten, das für das Sozialverhalten der Pferde wichtig ist. Untersucht ist das noch nicht.

Worauf solltest du achten, wenn dein Isländer eine Decke trägt?

Wenn dein Isländer eine Winterdecke trägt, muss sie gut passen, regelmäßig ab und darf ihn nicht schwitzen lassen. Die wichtigsten Punkte aus den Empfehlungen von Rutgers, Penn State, NIBIO und Vetmeduni Wien:

  • Passform prüfen. Schlecht sitzende Decken und Gurte können Scheuerstellen und Wunden verursachen. Erfahrungsgemäß sitzt eine Decke, die für Großpferde geschnitten ist, bei der kompakten Isländer-Statur selten gut.
  • Mindestens einmal pro Woche abnehmen. Rutgers empfiehlt das, um Gewicht, Haut und Scheuerstellen zu kontrollieren. Die Vetmeduni Wien nennt dabei Druckstellen am Widerrist sowie bakterielle und Pilzerkrankungen der Haut.
  • Schwitzen vermeiden. Kontrolliere kurz nach dem Eindecken, ob das Pferd unter der Decke schwitzt. Wenn ja, ist sie zu warm. Laut University of Maine kann ein Pferd, das an milden Tagen unter der Decke schwitzt, nachts beim Abkühlen zittern.
  • Nie auf ein nasses Pferd. Eine Winter- oder Regendecke kommt erst auf trockenes Fell, und eine durchnässte Decke wird abgenommen.
  • Keine Deckenstapel. Laut NIBIO wird nicht empfohlen, mehrere Decken übereinanderzulegen.

Eine Abschwitz- oder Trockendecke ist keine Winterdecke. Sie hat ihre Aufgabe nach dem Reiten, wenn das Fell nass ist, und kommt wieder ab, sobald der Isländer trocken ist. Auch die Óra Storm und die Óra Midnight sind vor allem für die Zeit nach dem Reiten gedacht, nicht als Winterdecke für die Nacht im Offenstall. Wie du dein Pferd nach dem Reiten trocken bekommst, steht in Islandpferd nach dem Reiten trocknen.

Wann solltest du mit dem Tierarzt über den Winter sprechen?

Sprich mit deinem Tierarzt, wenn dein Isländer trotz Heu und Unterstand friert, über den Herbst Gewicht verliert oder kein dichtes Winterfell bildet. Die Vetmeduni Wien betont, dass die untere kritische Temperatur von Alter, Rasse, Körperkondition, Fütterung, Wetter und Gewöhnung abhängt und für jedes Pferd einzeln betrachtet werden muss.

Gerade bei älteren Pferden lohnt sich ein Gespräch vor dem Winter, nicht erst mittendrin. Dieser Beitrag ersetzt keine tierärztliche Beratung. Er soll dir helfen, die richtigen Fragen zu stellen und dein Pferd gut zu beobachten.

Häufige Fragen

Ab wie viel Grad braucht ein Islandpferd eine Decke?

Eine feste Temperatur gibt es nicht, weil Nässe, Wind, Unterstand, Fell und Futterzustand mehr zählen als das Thermometer. Die Penn State Extension nennt für Pferde ohne Unterstand etwa minus 15 °C als Grenze. In einem norwegischen Versuch, in dem Pferde selbst zeigen konnten, ob sie eine Decke wollen, behielten laut NIBIO bei Niederschlag und Wind alle Pferde die Decke an, bei Sonne und milderem Wetter wollten die meisten sie ablegen.

Braucht ein Islandpferd eine Regendecke?

Meist nicht, wenn es einen trockenen Unterstand hat. Die Vetmeduni Wien gibt bei ungeschorenen Pferden dem Unterstand den Vorzug vor wasserdichten Decken. Sinnvoll kann eine Regendecke sein, wenn kein Schutz vorhanden ist oder ein älteres, dünnes Pferd tagelangem Regen bei Plusgraden ausgesetzt ist.

Stört eine Decke das Herdenleben im Offenstall?

Möglicherweise. Laut NIBIO äußerten Pferdebesitzerinnen in einer Befragung die Sorge, dass Decken das gegenseitige Fellkraulen stören könnten, das zum Sozialverhalten der Pferde gehört. Belegt ist das bisher nicht. Erfahrungsgemäß wird in der Herde auch gern an Gurten und Stoff gezupft. Wer eindeckt, sollte die Decke deshalb öfter auf Schäden und Sitz kontrollieren.

Kann ich mit dem Eindecken mitten im Winter wieder aufhören?

Rutgers rät davon ab: Wer einmal mit dem Eindecken beginnt, sollte die ganze Saison dabeibleiben. Eine dauerhaft getragene Decke drückt das Fell flach, sodass es weniger isoliert. Musst du trotzdem aufhören, wähle erfahrungsgemäß eine milde, trockene Phase und beobachte dein Pferd in den Tagen danach genau. Besprich das am besten vorher mit deinem Tierarzt.

Quellen

  1. Tipps fürs Tier: Pferde im Winter — Veterinärmedizinische Universität Wien, Universitätsklinik für Pferde
  2. To Blanket or Not to Blanket? (Fact Sheet FS1081) — Rutgers New Jersey Agricultural Experiment Station, 2024
  3. When to Blanket a Horse — Penn State Extension
  4. Bulletin #1038: Winter Blanketing Guide for Equines in Maine — University of Maine Cooperative Extension
  5. Hestens evne til egen termoregulering — NIBIO – Norsk institutt for bioøkonomi, 2017
  6. Management of horses with focus on blanketing and clipping practices reported by members of the Swedish and Norwegian equestrian community — Hartmann, Bøe, Jørgensen, Mejdell, Dahlborn – Journal of Animal Science 95(3), 2017
  7. Equine Management: To Blanket or Not to Blanket — UConn Extension, Jenifer Nadeau, 2022
  8. Icelandic horses are perfectly adapted to the harsh winters of their homeland — Icelandic Horse Society of Great Britain, 2025
  9. Comparison of grass haylage digestibility and metabolic plasma profile in Icelandic and Standardbred horses — Jansson, Ragnarsson – Journal of Animal Physiology and Animal Nutrition 95(3), 2011
  10. The prevalence of obesity in mature Icelandic horses in Denmark — Jensen, Danielsen, Tauson – Acta Veterinaria Scandinavica 57 (Suppl. 1), 2015

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