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Rasse & Island

Das Islandpferd: Herkunft, Größe, Charakter und Gangarten auf einen Blick

Von Óra nordic equine · · 8 Min. Lesezeit

Das Islandpferd ist eine Robustpferderasse aus Island, die dort seit mehr als tausend Jahren rein gezüchtet wird. Isländer messen meist rund 135 bis 150 cm Stockmaß, wiegen laut dem US-Verband USIHC etwa 300 bis 400 kg und gelten als freundlich, mutig und kooperativ. Neben Schritt, Trab und Galopp beherrschen sie den Tölt, die meisten zusätzlich den Rennpass.

Fuchsfarbenes Islandpferd mit langer heller Mähne und dichtem Herbstfell steht auf trockenem Grasland vor nebligen Bergen
Bild: KI-generiert

Wer zum ersten Mal einen Isländer im Winterfell sieht, unterschätzt ihn leicht: klein, wuschelig, die Mähne über beide Halsseiten. Unter dem Fell steckt ein Reitpferd, das Erwachsene trägt, fünf Gänge haben kann und an Wind und Kälte angepasst ist.

Dieser Überblick fasst zusammen, was die Rasse ausmacht, mit Zahlen von Zuchtverbänden und Hochschulen. Einzelne Themen wie den Tölt oder den Winter im Offenstall vertiefen eigene Beiträge.

Woher kommt das Islandpferd?

Das Islandpferd stammt aus Island. Wikingersiedler aus Norwegen und von den Britischen Inseln brachten die ersten Pferde im 9. Jahrhundert auf die Insel, so beschreibt es der US-amerikanische Islandpferdeverband USIHC. Seitdem hat sich die Rasse über mehr als tausend Jahre isoliert entwickelt, nach Angaben des Verbands ohne bekannte Einkreuzung fremder Pferde.

Diese Isolation gilt bis heute. Laut dem isländischen Rasseportal Horses of Iceland darf kein Pferd und kein anderer Equide ins Land, und ein Pferd, das Island verlassen hat, darf nie zurückkehren. Gesetzlich verboten ist die Einfuhr nach Angaben des USIHC seit 1882, vermutlich kamen aber schon seit etwa 1100 kaum noch Pferde auf die Insel.

Die Abgeschiedenheit hat eine Kehrseite, die Isländer-Besitzerinnen in Europa kennen: Auf Island kommen nur sehr wenige Pferdekrankheiten vor, Impfungen sind dort laut Horses of Iceland nicht nötig. Pferde aus Island treffen nach dem Export also auf Erreger und Insekten, die ihr Immunsystem nicht kennt.

Exportiert wurden Islandpferde schon im 19. Jahrhundert, damals vor allem als Arbeitspferde in Kohlegruben nach England, ab 1900 auch nach Dänemark. Als Freizeitpferd etablierte sich der Isländer Mitte der 1950er-Jahre in Deutschland, laut FEIF maßgeblich durch die Reiterin Ursula Bruns. 1958 wurde der IPZV gegründet.

Sechs Islandpferde in Braun, Rappe, Falbe, Schimmel, Fuchs und Schecke grasen dicht beieinander in karger, hügeliger Landschaft
Bild: KI-generiert

Wie groß und schwer wird ein Islandpferd?

Ein ausgewachsenes Islandpferd misst meist zwischen 135 und 150 cm Stockmaß, gemessen am höchsten Punkt des Widerrists. Diese Spanne nennt der IPZV. Auf Zuchtbewertungen liegt der Durchschnitt laut IPZV bei rund 142 cm.

Andere Verbände nennen leicht abweichende Werte:

  • Das Zuchtprogramm des Rheinischen Pferdestammbuchs gibt ca. 135 bis 146 cm an und eine bevorzugte Widerristhöhe von mindestens 138 cm.
  • Der USIHC nennt 125 bis 145 cm, im Schnitt 136 cm bei Stuten und 138 cm bei Hengsten.
  • Beim Gewicht nennt der USIHC rund 300 bis 400 kg für ausgewachsene Pferde.

Ein konkretes Beispiel liefert eine Studie der Universität Hólar in Island: Die acht Schulpferde darin waren 138 bis 144 cm groß und wogen zwischen 340 und 382 kg.

Wie ist ein Islandpferd gebaut?

Das Zuchtziel beschreibt ein robustes, gut ausbalanciertes Pferd mit langen Beinen, einem eher leichten Rumpf und einem breiten, tragfähigen Rücken. Der Körper soll etwas länger sein als die Kruppe hoch ist, als Richtwert nennt das Zuchtprogramm 4 bis 6 cm. Dazu kommen sehr starke Hufe, ein Schopf bis unter die Augen, eine lange Mähne auf beiden Halsseiten und ein Schweif bis zu den Fesseln.

Typisch ist außerdem das doppelte Fell, das der USIHC als Merkmal der Rasse nennt. Erfahrungsgemäß wird es im Winter so dicht, dass ein Isländer nach der Arbeit lange zum Trocknen braucht.

Wie viel Gewicht trägt ein Isländer?

Weil der Isländer klein ist und meist von Erwachsenen geritten wird, ist das Verhältnis von Reiter- zu Pferdegewicht oft höher als bei anderen Reitpferden. Die Forschenden aus Hólar nennen 20 bis 35 Prozent als für Islandpferde üblichen Bereich, Sattel eingerechnet.

In ihrem Test wurden die Tritte im Tölt mit steigendem Gewicht kürzer und schneller, Takt und Symmetrie blieben gleich. Die Autoren erwarten deshalb, dass die Qualität des Tölts bei höherem Gewicht abnimmt: Die Bewegungen wirken schwerer, die Tritte kürzer. Eine feste Obergrenze leiten die Autoren daraus nicht ab: Die Ergebnisse gelten nur für kurze Strecken, gut ausgebildete Pferde und einen geübten Reiter.

Bei der Weltmeisterschaft 2023 hat die FEIF gemeinsam mit der Universität Hólar Gewichtsdaten von über 100 Reiterinnen, Reitern und Pferden auf höchstem Sportniveau erhoben. Laut FEIF sollen die Ergebnisse in einer Masterarbeit und einer begutachteten Fachveröffentlichung erscheinen.

Welchen Charakter haben Islandpferde?

Islandpferde gelten als freundlich, mutig, klug und lernwillig, dabei leicht zu handhaben und kooperativ. So beschreibt sie der IPZV. Der Verband führt das auch auf die Haltung zurück: Das halbwilde Aufwachsen in großen Herden habe selbstbewusste Pferde mit intaktem Sozialverhalten hervorgebracht.

Horses of Iceland betont, dass Isländer am Boden wie unter dem Sattel meist kooperativ sind und gelassen bleiben, wenn ein Kind oder eine unsichere Reiterin aufsitzt. Das Zuchtziel verlangt ein Pferd, das aufmerksam auf die Hilfen reagiert, mutig und locker in allen Gangarten ist und mental ausgeglichen bleibt.

Im Stallalltag heißt selbstbewusst allerdings nicht pflegeleicht. Viele Isländer haben eine klare Meinung, prüfen neue Menschen und reagieren auf ruhige, faire Ausbildung besser als auf Druck. Das ist ein Erfahrungswert, kein Rassestandard. Wie ein einzelnes Pferd tickt, zeigt erst das Kennenlernen.

Welche Gangarten hat ein Islandpferd?

Ein Islandpferd hat bis zu fünf Gangarten: Schritt, Trab und Galopp wie jedes Pferd, dazu Tölt und Rennpass. Laut IPZV sind die meisten Isländer fünfgängig veranlagt. Viergänger beherrschen alles außer dem Rennpass. Fohlen zeigen ihre Gänge laut Horses of Iceland oft schon von Geburt an.

  • Schritt: gleichmäßiger Viertakt mit langen Schritten, das Pferd bleibt dabei ruhig.
  • Trab: Zweitakt mit Schwebephase, im Zuchtziel mit langen, elastischen Tritten.
  • Galopp: Dreitakt mit Sprungphase, vom ruhigen Arbeitsgalopp bis zu hohem Tempo.
  • Tölt: Viertakt ohne Schwebephase. Immer ist mindestens ein Huf am Boden, oft zwei. Für die Reiterin ist er bequem und erschütterungsarm.
  • Rennpass: Zweitakt mit Flugphase, bei dem sich die Beinpaare einer Seite gemeinsam bewegen. Er wird nur im Renntempo über kurze Strecken geritten, laut Horses of Iceland über etwa 100 bis 250 Meter.

Tölt: angeboren, aber nicht fertig

Der Tölt ist der Gang, für den die Rasse bekannt ist, und er lässt sich vom sehr langsamen bis zum schnellen Tempo reiten. Fertig mitgebracht wird er trotzdem selten. Die Forschenden aus Hólar schreiben, dass nur eine Minderheit der Isländer von Beginn der Ausbildung an einen stabilen, gleichmäßigen Viertakt zeigt. Häufiger tölten sie zu Beginn der Ausbildung passig oder trabig, bis sie lange genug ausgebildet sind. Wie der Tölt genau funktioniert und wie man ihn fördert, steht im Beitrag Tölt erklärt.

Warum können nicht alle Isländer Rennpass?

Ob ein Islandpferd Rennpass gehen kann, hängt wesentlich von seinen Genen ab. Forschende der Universität Uppsala und der Schwedischen Landwirtschaftsuniversität SLU haben 2012 in der Fachzeitschrift Nature gezeigt, dass eine einzelne Basenänderung im Gen DMRT3 mit Pass und Tölt zusammenhängt. Laut Horses of Iceland tragen Fünfgänger diese Variante von beiden Elternteilen. Viergänger können drei verschiedene Genotypen haben. Ein Gentest zeigt, ob ein Pferd die genetische Voraussetzung für Rennpass mitbringt. Ob es tatsächlich Rennpass geht und wie gut, sagt er nicht.

Wie hält man ein Islandpferd als Robustpferd?

Ein Islandpferd gehört in eine Herde, mit möglichst viel Bewegung und Zugang nach draußen. Der IPZV empfiehlt im Sommer große Wiesen mit Wetterschutz und im Winter einen großen Offenstall mit befestigtem Auslauf. Fohlen und Jungpferde sollen nie einzeln aufwachsen. Reine Boxenhaltung lehnt der Verband ab, sie kommt nur bei Krankheit oder während des Beritts infrage.

Robust heißt nicht ohne Schutz. Die Veterinärmedizinische Universität Wien nennt vier Bedingungen dafür, dass Pferde den Winter draußen verbringen können:

  1. Das Pferd ist metabolisch gesund.
  2. Es bekommt genug Kalorien, vor allem über gutes Heu.
  3. Es entwickelt ein gutes Winterfell.
  4. Es hat angemessenen Schutz, etwa einen dreiseitig geschlossenen Unterstand mit weicher, trockener Liegefläche.

Für ungeschorene Pferde gibt die Vetmeduni einem Unterstand den Vorzug vor einer Decke, damit sie sich an wechselndes Wetter anpassen können. Wann ein Isländer trotzdem eine Decke braucht, behandelt der Beitrag Braucht ein Islandpferd im Winter eine Decke?, die praktische Seite des Winters der Beitrag über den Offenstall im Winter.

Leichtfutterer: wenig Futter, viel Kauzeit

Islandpferde kommen laut IPZV mit wenig Futter aus. Eine Befragung der Vetmeduni Wien unter Haltern in Island und Deutschland fand deutliche Unterschiede zwischen beiden Ländern, vor allem bei der Kraftfuttergabe, außerdem bei den Weiden. Erfahrungsgemäß setzen viele Isländer auf nährstoffreichen Weiden in Mitteleuropa schnell an. Im Alltag heißt das: gutes Heu als Grundlage, Kraftfutter nur bei echtem Bedarf und Weidezeit mit Augenmaß.

Sommerekzem: das Erbe der Insel

Sommerekzem ist eine Allergie gegen den Speichel von Gnitzen (Culicoides). Weil die Gnitzenarten, die Sommerekzem auslösen, auf Island nicht vorkommen, sind exportierte Islandpferde laut einer Arbeit der Vetmeduni Wien häufiger betroffen. Seit 2015 sticht auf Island zwar eine Gnitzenart, Culicoides reconditus, doch nach einer Untersuchung der Universitäten Island und Bern löst sie kein Sommerekzem aus. Typisch ist starker Juckreiz ab dem Frühjahr, der zu Scheuerstellen und Haarverlust führt. Wer bei seinem Pferd solche Anzeichen sieht, lässt das tierärztlich abklären, denn dieser Überblick ersetzt keine Diagnose.

Wie alt werden Islandpferde?

Islandpferde erreichen laut IPZV oft ein Alter von über 20 Jahren und können dann noch geritten werden. Langlebigkeit ist ausdrücklich Teil des Zuchtziels, das ein gesundes, fruchtbares und langlebiges Pferd verlangt.

Dass Isländer auch mit 15 bis 19 Jahren noch gut geritten werden können, zeigt die Studie aus Hólar: Die Schulpferde, die dort im Tölt getestet wurden, waren genau so alt. Eine belastbare Statistik zur durchschnittlichen Lebenserwartung haben wir nicht gefunden. Höhere Zahlen, die im Netz kursieren, sind meist ohne Quelle.

Isländer gelten als spätreif. Der IPZV schreibt, dass sie erst mit etwa vier Jahren eingeritten werden. Wer einem jungen Pferd Zeit lässt, legt damit auch die Grundlage für viele gemeinsame Jahre.

Welche Verbände sind für Islandpferde zuständig?

Der internationale Dachverband ist die FEIF, die International Federation of Icelandic Horse Associations. Gegründet wurde sie am 25. Mai 1969 von sechs Ländern, heute hat sie 22 Mitgliedsländer. Die FEIF setzt einheitliche Zucht- und Sportregeln für alle Mitgliedsländer und betreibt gemeinsam mit dem isländischen Bauernverband Bændasamtök Íslands die Zuchtdatenbank WorldFengur.

In Deutschland ist der IPZV zuständig, der Islandpferde-Reiter- und Züchterverband Deutschland. Er hat über 27.000 Mitglieder in zwölf Landesverbänden und rund 170 Ortsvereinen, ist Mitglied der FEIF und Anschlussverband der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN).

Das Ursprungszuchtbuch der Rasse führt der isländische Bauernverband Bændasamtök Íslands. Deutsche Zuchtverbände wie das Rheinische Pferdestammbuch führen Filialzuchtbücher und übernehmen das isländische Zuchtziel. Das Zuchtbuch ist geschlossen: Als reinrassig gilt ein Islandpferd, wenn sich Vater- und Mutterlinie lückenlos bis nach Island zurückverfolgen lassen.

Häufige Fragen

Ist ein Islandpferd ein Pony?

Formal ordnet etwa das Rheinische Pferdestammbuch die Rasse bei seinen Zuchtprogrammen für Pony- und Kleinpferderassen ein. Verbände wie FEIF und IPZV sprechen dagegen vom Islandpferd, und als Reitpferd trägt es meist Erwachsene.

Welche Fellfarben gibt es beim Islandpferd?

Beim Islandpferd sind alle Fellfarben und Abzeichen erlaubt. Der USIHC spricht von mehr als hundert Farbvarianten. Das Zuchtziel verlangt ausdrücklich, dass alle Farbvarianten der Rasse erhalten bleiben.

Warum haben Islandpferde isländische Namen?

Islandpferde, die in ein Zuchtbuch eingetragen werden, dürfen nur isländische Namen aus der Namensliste in WorldFengur tragen. So schreibt es das Zuchtprogramm vor. Andere Namen müssen eigens beantragt werden, und der bei der Eintragung vergebene Name bleibt dem Pferd.

Wie erkenne ich, ob ein Islandpferd reinrassig ist?

Laut Zuchtprogramm gilt die Reinrassigkeit als gewährleistet, wenn das Pferd mit einer FEIF-ID in der Datenbank WorldFengur eingetragen ist. Alle in Deutschland geborenen Fohlen, die bei einem Zuchtverband der FN registriert werden, bekommen diese Nummer. Vor einem Kauf lohnt es sich, die Angaben im Pass mit dem Eintrag in WorldFengur abzugleichen.

Quellen

  1. Das Islandpferd — Islandpferde-Reiter- und Züchterverband Deutschland (IPZV) e.V.
  2. Verband — Islandpferde-Reiter- und Züchterverband Deutschland (IPZV) e.V.
  3. History of FEIF — FEIF – International Federation of Icelandic Horse Associations
  4. Breeding Icelandic horses — FEIF – International Federation of Icelandic Horse Associations
  5. Weight study at the World Championships 2023 — FEIF, 2023
  6. Ursula Bruns — FEIF, 2016
  7. Zuchtprogramm für die Rasse des Islandpferdes — Rheinisches Pferdestammbuch e.V., 2025
  8. Meet The Icelandic Horse — United States Icelandic Horse Congress (USIHC)
  9. Icelandic Horse Breeding Standards — United States Icelandic Horse Congress (USIHC)
  10. The Icelandic Horse — Horses of Iceland
  11. The Icelandic Horse: Gaits — Horses of Iceland
  12. The Icelandic Horse: Character — Horses of Iceland
  13. A single gene has a major impact on gaits in horses and in mice — Universität Uppsala, Pressemitteilung zu Andersson et al., Nature 2012
  14. The effect of rider weight and additional weight in Icelandic horses in tölt: part II. Stride parameters responses — Gunnarsson, Stefánsdóttir, Jansson, Roepstorff – Animal 11:9, 2017
  15. Tipps fürs Tier: Pferde im Winter — Veterinärmedizinische Universität Wien, Universitätsklinik für Pferde
  16. Studie über die veränderten Fütterungs- und Haltungsbedingungen von Islandpferden nach dem Export aus Island — Lea Heidinger, Bachelorarbeit, Veterinärmedizinische Universität Wien, 2019
  17. Insect bite hypersensitivity in Icelandic horses — Kathrin Lindlbauer, Diplomarbeit, Veterinärmedizinische Universität Wien, 2023
  18. Iceland 1930 (Handbuch, S. 71: Pferdeexport) — Digitalisat bei EconBiz (ZBW)
  19. Can Culicoides reconditus (lúsmý) cause summer eczema in horses? — Þorsteinsdóttir, Cardinaux, Svansson, Marti, Jónsdóttir – Universität Island und Vetsuisse-Fakultät Bern, Biologiekonferenz 2023

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